23.11.2013

Zwischenbericht Ausbildungsprojekt in Haiti

Direkt nach der Errichtung einer mobilen Orthopädiewerkstatt in Léogâne im Jahre 2010 rekrutierte die Johanniter Auslandshilfe 6 junge Haitianer/innen (2 weiblich, 4 männlich), welche den Beruf Orthopädietechniker/-technikerin erlernen wollten. Mit großem Nachdruck wurde dafür gesorgt, dass, wenn auch mit einiger Verspätung, ein offizielles Ausbildungsprogramm, mit internationaler Akkreditierung, gestartet werden konnte. Die Ausbildung ist aufwendig und daher sowohl kosten- als auch zeitintensiv und gilt als richtungsweisend in der technischen Orthopädie in Bezug auf „distance learning“.

Nahezu eineinhalb Jahre nach dem Start des Ausbildungsprogramms für Orthopädietechniker der Don Bosco-Universität  (UDB) in San Salvador Ende April 2012, haben sich inzwischen die sechs Studenten, die von den Spendengeldern der Otto Bock Stiftung ein Stipendium erhalten haben, an die Studienbedingungen und die Mehrbelastung durch das Studium neben der täglichen Arbeit gewöhnt. Alle sechs Studenten haben den Übergang in das dritte Modul geschafft, jedoch haben sie auch die strengen Qualitätsstandards der Universität zu spüren bekommen. Zwei der sechs Studenten müssen jeweils eine von fünf Abschlussprüfungen wiederholen, wofür sie insgesamt zwei weitere Versuche haben.

Für das erste Modul des Studiums - Prothesen der unteren Extremitäten - konnten die Studenten bereits vor dem Beginn des Studiums durch ihr zweijähriges „on-the-job-training“ nachhaltig Erfahrung sammeln. Das zweite Modul dagegen - Orthesen der unteren Extremitäten -, stellte für die Studenten, die sich größtenteils auf Beinprothesenherstellung konzentriert hatten, eine größere Hürde dar. Jedoch unterstützen sich die Studenten gegenseitig und sind zuversichtlich, dass sie durch intensives Lernen ihre Prüfung schaffen werden und ihr Studium fortsetzten können.

Die Studenten sind vom ersten Studientag an begeistert dabei und arbeiten fleißig an ihrem Ziel. Morgens kümmern sie sich um die Patienten der Werkstatt und nachmittags arbeiten sie an ihren Hausaufgaben, die sich aus Recherche-Arbeiten, Fallbesprechungen und Fachlektüre zusammensetzen. Jeweils termingerecht werden die Hausaufgaben an die Lehrerin der UDB per E-Mail geschickt. Zweimal pro Modul findet eine Online-Prüfung statt. Eine Woche pro Monat haben die Studenten Präsenzzeit am Seminar in Port-au-Prince, wo sie von der UDB-Lehrerin theoretisch und praktisch unterrichtet werden. Das dritte Modul – Orthesen für untere und obere Extremitäten – begann im Mai 2013 und wird im Oktober 2013 mit dem finalen Examen abschließen. Das vierte und fünfte Modul beschäftigt sich mit Prothesen für obere Extremitäten und Wirbelsäulenorthesen.

Die Endevaluation durch die ISPO (International Society for Prosthetics and Orthotics) wird im Oktober/November 2014 stattfinden.

Die internationale Nichtregierungsorganisation Handicap International kümmert sich um die Organisation der Ausbildung, die inzwischen in den neuen Räumlichkeiten der haitianisch-amerikanischen Organisation „Healing Hands for Haiti“ stattfindet, und steht in regelmäßigem Kontakt mit den haitianischen Behörden und Ministerien, um die international anerkannte Ausbildung auch in Haiti anerkennen zu lassen und idealerweise in das Gesundheitssystem zu integrieren.

Im Frühjahr 2013 ist die neu erbaute Prothesenwerkstatt der Johanniter Auslandshilfe in Léogâne eröffnet worden. In der neuen Werkstatt gibt es für jeden Studenten einen Arbeitsplatz, so dass sie sich in Zukunft alle gleichzeitig um die Versorgung von Patienten kümmern können. Den Studenten bedeutet der Bau des Prothesenzentrums sehr viel, denn es zeigt Ihnen, dass es weitergeht in Haiti und sie auch nach dem Abschluss der Ausbildung einen richtigen Arbeitsplatz haben werden.

Studenten mit Tutoren vor der neu eröffneten Orthopädie-Werkstatt
Im neuen Rehabilitationszentrum in Léogâne, Haiti, kommen Maschinen der Otto Bock Healthcare Company zum Einsatz.

Mit diesem Projekt fördern wir eine nachhaltig tragfähige Struktur, was für Haiti bedeutend wichtig ist. Vor dem Erdbeben gab es für das ganze Land nur eine kleine Orthopädie Werkstatt mit fünf internationalen Technikern. Durch die vorgenannte Ausbildung wird nach und nach eine flächendeckende Versorgungs-Infrastruktur aufgebaut werden können. Nach der Beendigung des Studiums mit einem international anerkannten Abschluss qualifizieren sich die lokalen Studenten für die eigenverantwortliche Versorgung von Patienten und letztendlich die leitende Übernahme der Werkstatt.


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